Reisen kann manchmal schwierig sein, denn es verlangt viel mehr Energie sowie Nachdenken und Bemühungen zur eigenen Sicherheit als zu Hause in vertrauten Umgebungen. Dieser Artikel wird Ihnen einen Überblick darüber geben, wie Kapstadt funktioniert. Wir möchten Ihnen hier das Wissen vermitteln, das sie brauchen um sich sicher zu fühlen und stressfrei zu reisen.

Zunächst sollten Sie verstehen, dass es fünf verschiedene Ansätze gibt, Kapstadt kennenzulernen.

Die gängigste Erfahrung ist das „europäische Kapstadt“. Laut dem Büro des Provinzialministers für Wirtschaft und Tourismus betragen die Tourismuseinnahmen 10% der gesamten jährlichen Wirtschaftsleistung der Region. Demzufolge investiert die Stadt viel Mühe und Geld für die Gewährleistung von Sicherheit und Vergnügen der Touristen. Die hierbei vorgeschlagene Vorgehensweise für Touristen beschränkt sich auf das Übernachten in Luxushotels, einen strengen Reiseplan zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten (vorzugsweise in einer Reisegruppe) und tolle Mahlzeiten in Restaurants in der Victoria & Alfred Waterfront oder entlang der Atlantikküste (Mouille Punkt, Camps Bucht, Clifton).

Diese Vorgehensweise ist nahezu 100% sicher. Zum Beispiel gibt es Überwachungskameras im Bezirk Waterfront, die rund um die Uhr von bewaffneten Notfallteams überwacht werden, die bei Gefahr sofort eingreifen. Obwohl man auf diese Weise einen fantastischen und fast sorgenfreien Urlaub erleben kann, ist es verhältnismäßg extrem teuer. Sie werden auch einige der interessantesten Stadtteile verpassen. Es ist dann auch kaum ein authentisches südafrikanisches Erlebnis und so gar nicht afrikanisch. Für viele Leute kann das durchaus akzeptabel sein, eine solche Anleitung brauchen Sie aber bei einem solchen Reiseansatz nicht.

Die „echte” Kapstadterfahrung beinhaltet viel Zeit in der Innenstadt – das zentrale Gebiet im groben Kreis am Fuß des Tafelberges, umgeben von Devil’s Peak, Signal Hill und der Tafelbucht: Livemusik und Kleinkunst, diverse Veranstaltungsorte, interessante Museen und Kunsthallen, Greenmarket Square, der Blumenmarkt und die berühmte Company Gardens sind alle hier zu finden. In diesem Gebiet werden Sie auch preiswerte Unterkunft und Restaurants finden. Und natürlich Kriminalität.

Da dieser Teil Kapstadt am Besten zu Fuß zu erkunden ist, liefern wir in anderen Teilen dieser Anleitung viele Ratschläge, wie Sie sich am hierbei am Besten schützen können. Der Schlüssel zu einem sicheren Erlebnis der echter Kapstadtkultur ist, genau zu wissen, welche Gebiete und Straßen grundsätzlich zu meiden sind. In vielen Fällen ist ein Gebiet gut überwacht und kontrolliert, während Drogendealer, Prostituierte und Diebe nur eine Straße weiter unterwegs sind. Wenn Sie beabsichtigen die Dienstleistungen dieser Leute in Anspruch zu nehmen, sollten Sie unseren Rat „Wie Sie verhindern können, ein Opfer zu werden“ und unsere Warnungen über „Gefahren bei Nacht“ im Rest dieser Anleitung lesen.

Im Allgemein empfehlen wir, dass Sie regelmäßig Ortskundige um Rat bitten. Aber fragen Sie dazu nicht einfach Leute auf der Straße. Besser ist es, die Mitarbeiter in touristischen Einrichtungen anzusprechen. Die Mitarbeter dieser Lokalitäten sind freundlich, gut über die örtlichen Gegebenheiten informiert und insbesondere daran interessiert, dass den Touristen nichts passiert. Hotels und Pensionen sind eine hervorragende Informationsquelle und es gibt viele davon. Dort erteilt man Ihnen gerne Rat über das Gebiet, indem Sie sich befinden – schließlich ist ihr Umsatz vom guten Ruf der Stadt abhängig. Ihre besten Ansprechpartner für praktische Ratschläge befinden sich in Jugendherbergen. Rucksacktouristen sind naturgemäß abenteuerlustig und werden Ihnen eine ehrliche Einschätzung zur aktuellen Situation geben.

In der Innenstadt werden Sie vielen Bettlern begegnen, vor allem sehr jungen obdachlosen „Straßenkindern“. Ihre Geschichten sind meist herzzerreißend und Sie werden sich geradezu verpflichtet fühlen ihnen Hilfe anzubieten. Viele dieser Geschichten können wahr sein, aber man muss bedenken, dass die Kinder durch den täglichen Überlebenskampf auf der Straße abgehärtet sind und ihre Moral und Prioritäten hierdurch geformt wurden. Ihr Verhalten ist darauf ausgerichtet, den maximalen finanzielle Nutzen aus Ihnen herauszuholen. Meist operieren sie in kleinen Gruppen. Einer lenkt Sie ab, während ein anderer Ihre Wertsachen klaut. Dabei wird viel mit Körperkontakt gearbeitet, um Sie abzulenken und den Diebstahl zu vereinfachen. Sie sollten Körperkontakt also stets so gut vermeiden, soweit es geht. Sie müssen auch versuchen Augenkontakt zu vermeiden und aggressiv auftreten, um Körperkontakt erfolgreich abzuwehren. Dabei sollten Sie aber nicht in Panik verfallen – die Straßenkinder wollen nur Ihre Wertsachen. Zögern Sie nicht, um Hilfe zu rufen, wenn Sie sich unwohl fühlen. Die Menschen werden Ihnen helfen – gerade die Einheimischen haben auch mit dem gleichen Problem zu kämpfen.

Wenn Sie wirklich helfen wollen, gibt es offizielle Programme sowie ausgezeichnete Nichtregierungs- und Wohlfahrtsorganisationen, die versuchen den Straßenkindern nachhaltig zu helfen. Informieren Sie sich über diese Organisationen und spenden Sie Ihr Geld an diese. Diese Gruppen, einschließlich Graswurzelbewegungen wie Big Issue Magazine, sind an langfristigen Lösungen interessiert. Alle Helfer sind sich einig darüber, dass man durch Almosen die Situation nur weiter stabilisiert und nicht verbessert.

Eine ganz andere Seite, von der aus man Kapstadt erleben kann, sind die „Townships“. Diese dicht besiedelten Wohngebiete, die bewusst abseits der großen wirtschaftlichen Gewerbegebiete angelegt wurden, gelten als ein dunkles Erbe der Apartheid-Ära. Sie sind tendenziell verarmt, aber weil sie nur ethnisch – nicht wirtschaftlich – ausgelagert wurden, umfassen sie alle Schichten: vom Leben in Papphütten bis zu großen Familienhäuser mit Luxuswagen vor der Tür. Diese sozialen Unterschiede bringen erwartungsgemäß Schwierigkeiten mit sich. In einigen Gebieten (z.B. Nyanga) sind Gewaltverbrechen wie Mord und Vergewaltigung sowie lokale Unruhen erstaunlich normal, während andere Gebiete ziemlich sicher sind und sich durch aktive Nachbarschaftshilfeprogramme auszeichnen.

Die große Mehrheit der Südafrikaner lebt in solchen Townships. Hier lebt also der wahre Geist des neuen Südafrikas; der Neuaufbau einer ganzen Gesellschaft. Fortschrittliche Elemente, wie Ziegelsteinhäuser, Strom, fließendes Wasser, sanitäre Einrichtungen und Polizeiarbeit werden in diesen Townships aufgebaut. Als Außenstehender hier dabei zu sein und mit den Bewohnern zu interagieren kann eine einzigartige und inspirierende Erfahrung auf ihrer Reise sein. Der einzige sichere Weg, diese Erfahrung zu machen, ist eine sogenannte „Township-Tour”. Diese spezialisierten Reiseanbieter führen Sie zu bestimmten Orten, die als sicher gelten. Die dort lebenden Einheimischen werden Sie als Besucher Willkommen heißen und sich gerne an Gesprächen über Politik, Fußball und die respektlose Jugend beteiligen.

Der Tourismusmarkt der Township-Tours ist eine gut etablierte Nische und es gibt sehr gut organisierte und zuverlässige Veranstalter, die Besuche nach Khayelitsha und Langa anbieten. Wählen Sie einen Veranstalter, der Ihnen von Ihrem Hotel oder Reisebüro empfohlen wurde. Alternativ können Sie Anbieter suchen, die Broschüren, aktuelle Webseiten und gut gepflegte Fahrzeuge haben. Ein solches Niveau ist ein Hinweis darauf, dass sie gut an den Orten eingebunden sind, die sie mit Ihnen besuchen werden, und vertrauenswürdig sind.

Der Rest von Kapstadt besteht aus zwei Arten von Vororten. Zum einen gibt es in einer Nord-Süd-Linie von der Innenstadt die familienorientierten Vororte, die typisch für eine erfolgreiche Marktwirtschaft sind. Sie sind ehrlich gesagt ziemlich langweilig, bieten aber kurzfristige Mietwohnungen und viele familiengeführte Pensionen, die generell ruhig und sicher sind. Die Supermärkte sind den Marktpreisen angepasst und gut ausgestattet. Seien Sie sich bewusst, dass die häufigsten Verbrechen in diesen Bereichen Diebstahl von Waren aus Fahrzeugen sowie Autodiebstahl sind. Lassen Sie Ihre Wertsachen nicht im Auto liegen und nutzen Sie den angebotenen Fahrzeugschutz.

Die letzte Gruppe der Wohngebiete, die allgemein als Cape Flats bezeichnet werden, liegt östlich der Stadt. Diese Gebiete sollten Sie generell und komplett meiden. Einzelne Teile haben die höchsten Drogen-und Bandenkriminalitätsstatistiken des ganzen Landes. Orte wie Phillipi, Delft und Grassy Park haben jährlich über 1.000 gemeldete Drogenverbrechen und Angriffe sind alltäglich.

Für einen einfachen Überblick darüber, was zu vermeiden oder von den verschiedenen Teilen Kapstadts zu erwarten ist, lesen Sie bitte den Abschnitt „Ihre Sicherheitskarte“.